Martinsäule

Jürgen Goertz (DE)

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Standort
Martinsäule von Jürgen Goertz am DonauHegauKunstweg in EngenMartinsäule von Jürgen Goertz am DonauHegauKunstweg in Engen (Foto: Gunar Seitz, 2020)
Martinsäule von Jürgen Goertz am DonauHegauKunstweg in EngenMartinsäule von Jürgen Goertz am DonauHegauKunstweg in Engen (Foto: Gunar Seitz, 2020)
Martinsäule von Jürgen Goertz am DonauHegauKunstweg in EngenMartinsäule von Jürgen Goertz am DonauHegauKunstweg in Engen (Foto: Gunar Seitz, 2020)

Infos zum Kunstwerk

Datum

1984

Material

Bronze, Kalkstein

Dimensionen

H: 345 cm

Adresse

78234 Engen, Marktplatz

GPS

47°51'7.73"N 8°46'14.68"E
47.852147, 8.770744

Beschreibung

Die aus Bronze gegossene 'Martinsäule' von Jürgen Goertz steht als mahnende Zeitkritik an exponierter Stelle auf dem Marktplatz, umgeben von einem Ring rauer Kalksteinhocker.
Die weitgehend realistisch ausgearbeiteten Reliefs deuten die gesellschaftlichen Widersprüche des ausgehenden 20. Jahrhunderts als überzeitliches Phänomen. Formgedanken und Motive des Brunnens knüpfen an alte Engener Traditionen an.

Der Heilige Martin, der den Armen gibt, nicht aus der Fülle, sondern durch geteilten Mangel, war der Kirchenpatron der ursprünglichen Pfarrkirche im Altdorf, eine der ältesten Martinskirchen Baden-Württembergs. Angelehnt an ein traditionelles städtisches Informations- und Werberequisit, die Litfaßsäule, thematisiert die Brunnensäule die Ungleichheiten innerhalb der Gesellschaft, Überfluss und Elend ebenso wie die fortschreitende Umweltzerstörung.

Die vielfältigen Nöte und Bedrohungen des Menschen erschließen sich dem Betrachter als ringsum verlaufende neun Halbreliefs, die sich szenisch verdichten und die Säule rhythmisch erschließen. Mit einem randvoll gefüllten, überschäumenden Krug, der über einem halbtoten Trinker angebracht ist, wird die Gefährdung menschlicher Würde als Suchtkrankheit dargestellt. Unter der Bildgruppe heben sich die knochigen und abgemagerten Ärmchen eines Kindes einem unerreichbaren Brot entgegen. Ein Kruzifix neigt sich dem Betrachter zu – die Orgelpfeifen sind zerbrochen. Das Schlüsselkind, Symbol einer kinderfeindlichen Gesellschaft, blickt ins Leere. Eine Afrikanerin trägt ihr abgemagertes Kind auf der Schulter. Und auch vor Flora und Fauna macht die Zerstörung des Menschen nicht Halt: Ein Baum ohne Krone, mit abgeschlagenen Wurzeln und welken Blättern steht für die Not der Kreatur. Ein Vogel sucht Schutz im geborstenen antiken Blattwerk. Zerstückelt ist das technische Winkelmaß – eine "maßlose" Gesellschaft gerät aus den Fugen. Mit starren Augen schaut die Eule der Nacht entgegen. Wie Tränen sickert das Brunnenwasser aus den feinen Düsen.

Die Martinsäule von Jürgen Goertz ist ein Monument, das zur Besinnung, nicht zur Besinnlichkeit aufruft. Sie will nicht nur anklagen, sondern auch Symbol der Neuorientierung und der Hoffnung sein. Der Künstler bindet die Forderung nach mehr Nächstenliebe in das aktuelle Zeitgeschehen ein. Auf diese Weise erhält die Legende des Heiligen Martin einen Bezug zur heutigen Überflussgesellschaft. (vw)

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